By admin, 2 November, 2018

Im dritten Lehrjahr kam ich in die Zschochersche Straße. Das Geschäft war nahe am „Felsenkeller“. Wenn ich abends nach Hause fahren wollte, kam ich oft nicht durch. Im „Felsenkeller“ waren Versammlungen, und dann standen auf der einen Seite der Straßen die Kommunisten oder Sozialisten und auf der anderen Seite die SA-Faschisten. Man schrie auf der einen Seite: „Nazi verrecke!“ und auf der anderen „Deutschland erwache!“. Mein Geschäftsführer, stellte sich heraus, war ein Nazi. So machte ich Bekanntschaft mit der Sorte.

By admin, 2 November, 2018

Leider hatte ich Anfang 1935 ein unangenehmes Erlebnis in der Schule. Es wurde erwartet, dass beim Eintritt der Lehrerin die Schultasche ausgepackt sein sollte. Eine Lehrerin kam in die Klasse und ich war noch nicht ganz fertig. Bevor ich noch wusste, was mir geschah, kam die Lehrerin auf mich zu und gab mir einfach eine Ohrfeige. Ich war entsetzt. Da ich meine Tasche noch nicht ausgepackt hatte, war sie schnell wieder eingepackt. Ich stand auf, nahm meinen Mantel und verließ die Klasse. Die Lehrerin war sprachlos.

By admin, 2 November, 2018

Meine Erinnerung an die vielen Straßendemonstrationen vor und um 1933 ist noch sehr deutlich: die braun behemdeten Stürmer, die Kommunisten mit ihrer roten Flagge und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, das für die Sozialdemokraten und die verschiedenen demokratischen Parteien marschierte. Unsere Wohnung auf dem 1. Stock der Dresdner Straße 30 lag dieser Hauptstraße zu.

By admin, 2 November, 2018

Ich war ungefähr elf Jahre alt. Auf dem Weg zur Schule liefen fünf Burschen auf mich zu und bewarfen mich mit Schneebällen. Dann riefen sie: „Mörder! Ihr habt den Jesus umgebracht!“ Das war das erste Mal, dass ich den Namen Jesus hörte. In meiner orthodoxen Familie war nie darüber gesprochen worden. Ich war schockiert von diesem Vorwurf. […] Mein Vater war extrem orthodox. Er hatte auch keine persönlichen Kontakte mit nichtjüdischen Leuten. Dadurch waren wir ziemlich isoliert.

By admin, 2 November, 2018

Am 1. April 1929 trat ich in die Beuthener Filiale der Commerz- und Privat Bank A.G. als Lehrling ein, beendete meine Lehrzeit am 30. September 1931 und war dann als pensionsberechtigter Beamter bis zum 1. Februar 1936 beschäftigt. Zu dieser Zeit wurde es mir durch meine Direktoren und Kollegen in verschiedenen, unerfreulichen Diskussionen nahegelegt, die Stelle zu verlassen.

Ich war dann als Opfer der Rassenverfolgung vom Februar 1936 bis zum 15. März 1937 unbeschäftigt.

By admin, 2 November, 2018

Am Abend des 28. Oktober 1938 versammelten sich die Mitglieder des jüdischen Tennisclubs „Rot-Weiss“ in dem schönen Clubhaus in Markkleeberg. Es war das jährliche „Fest“ – die Preisverteilung nach den Turnieren im Sommer. Diesmal war die Stimmung nicht freudig. Man hatte erfahren, dass polnische Juden aus Leipzig nach Polen transportiert worden waren. Viele polnische Juden lebten in Leipzig, wo die Pelzindustrie Pelzhändler, Kürschner und andere Sachverständige brauchte.

By admin, 2 November, 2018

Wir besitzen in dem Grundstücke […] Altranstädter Straße 40 ein grosses Metallverwertungsgeschäft. […] Auf der hinteren Seite des Grundstückes, an der die Neue Strasse vorbeiführt, ist es nur durch eine Holzplanke geschützt. Von dieser Seite aus sind in letzter Zeit wiederholt Einbrüche versucht worden. Auf dem weiten Hofe, auf dem sich noch verschiedene Lagerräume befinden, die Einbrechern vorzüglichen Unterschlupf gewähren, lagern sehr wertvolle Metalle. […] Zur Nachtzeit ist es sehr gefährlich, ohne Waffe das Grundstück abzusuchen.

By admin, 2 November, 2018

Es war ein kalter, finsterer Morgen, der 10. November 1938. Der Lehrer kam im Lauf in die Klasse der Carlebach-Schule, sehr erregt und schrie: "Kinder, geht nach Hause, schnell!" Ich erinnere mich nicht, wie ich aus der Schule herauskam, weil alle einander geschubst und gestoßen haben. Aber als ich auf der Straße war, sah ich Mitglieder der Hitlerjugend in Uniform und Hakenkreuzen mit Keulen und Steinen in die Schule einbrechen. Ich weinte fürchterlich: mein Haus war weit weg und ich war nie alleine nach Hause gegangen! Ich kannte nicht einmal den Weg nach Hause!

By admin, 2 November, 2018

Soweit ich mich erinnere, feierte unser Haushalt alle üblichen Feiertage. Wenn ich sage alle Feiertage, meine ich, wir hatten Ostern mit allem Drum und Dran. Ich kann mich erinnern, dass Mum und der Koch sich sehr bemühten, die Eier in allen möglichen Farben anzumalen, und es gab auch irgendein Verfahren, durch das das Ei selbst andersfarbig wurde.

By admin, 2 November, 2018

1938 war ein traumatisches Jahr. Hitler verordnete, dass alle Polen Deutschland verlassen und nach Polen umsiedeln mussten. Meine ganze Familie sollte zurück nach Polen deportiert werden. Wir und viele andere mussten uns am Gleis des Bahnhofs sammeln, um in den Zug nach Polen gesteckt zu werden. Ich werde diesen Moment nie vergessen und der Anblick von uns allen hat sich für immer in meine Netzhaut eingebrannt. Ich war verzweifelt und schaffte es, einen Freund, Werner Leschziner, der in Beuthen geboren war und eine deutsche Staatsbürgerschaft hatte, anzurufen.