By admin, 2 November, 2018

Wir gingen durch die brennenden Straßen. Die Feuerwehr sorgte dafür, daß das Feuer sich nicht auf Häuser der Deutschen und nicht-jüdische Läden ausbreitete. Überall wurde geraubt und geplündert. Ich sah sogar Gegenstände und Möbel, die von den Plünderern aus den Fenstern geworfen wurden. Wir überquerten die Brücke über dem Kanal und ich sah S.S.-Leute, die alte Juden mit Bärte[n – die Red.] zwangen über den engen Wasserkanal hin und her zu springen. Die alten Leute brachen zusammen und wurden ohnmächtig und die S.S.-Leute weckten sie und zwangen sie wieder und wieder zu springen.

By admin, 2 November, 2018

Wir sind eigentlich zweimal aus Leipzig weggegangen. Das erste Mal im Zuge der Vertreibung der polnischen Juden im Oktober 1938. Diese Abschiebung war schon eine sehr dramatische Sache. Wie sind um sechs Uhr früh abgeholt worden und erst zur Carlebach-Schule, dann mit dem Bus zum Bahnhof gebracht worden, dort wurden wir in den Zug eingeladen, eingeschlossen und bis Beuthen gebracht. Da muss es um Mitternacht gewesen sein. In Begleitung von SS und Hunden mussten wir loslaufen. Es war jedoch legal nicht möglich, über die Grenze zu kommen, die Polen wollten uns ohne Pässe nicht hineinlassen.

By admin, 2 November, 2018

In unserer jüdischen Schule beteten die Jungen am Morgen. Die Mädchen mussten es nicht, aber sie mussten ein Frühstück für die Jungen vorbereiten, das sie nach dem Gebet essen konnten. Meine Freundin und ich waren an der Reihe, den Tee zuzubereiten, und wir mussten um 7.00 Uhr statt um 8:00 Uhr in der Schule sein. Ich war bereits angezogen und bereit, das Haus zu verlassen, als ich das Klopfen an unserer Tür hörte. Als ich die Tür öffnete, standen zwei große Polizisten an der Tür. Sie fragten: „Wo sind deine Eltern?“ Ich sagte ihnen, dass sie schlafen.

By admin, 2 November, 2018

Ich selbst interessierte mich [...] für den großen Bahnhof ganz in der Nähe, wo immer irgend etwas los war. Besonders liebte ich das Zeremoniell der Abfahrt der Züge und bat immer, dort dabei sein zu dürfen. Ich hatte riesigen Respekt vor dem Schaffner mit der Pfeife und vor dem 'Onkel mit der roten Mütze', der seine Kelle hob und pfiff, wenn alle Türen geschlossen waren.

By admin, 2 November, 2018

Für mich persönlich begann der Holocaust am 28. Oktober 1938. Es war der Anfang vom Ende […]. An jenem Tag machte ich mich gerade für die Schule fertig. Mein Großvater, im neuen Anzug und mit Zigarettenetui in der Hand, wollte sich gerade auf seinen obligaten Weg ins Café begeben, dort die Zeitung lesen, Musik hören und sich dabei entspannen – ein Tag Urlaub von zu Hause.