September 10, 1998
Stadt Leipzig Stadtsteueramt
Haus Josephstraße 7, in Leipzig Lindenau
Sehr geehrte Frau …,
ich danke Ihnen herzlich fuer die Freundlichkeit ihres Schreibens vom 3. Sept. 1998. Ich bin 88 Jahre alt, bald 89 Jahre […]. Mein ganzes Leben war keine Freude und bringt mir auch keine Freude mehr, als auch ihr Schreiben jetzt. Ich bin in Leipzig geboren und gross gezogen worden. Als ich im October 1938 am Abend von meinem Buerau, wo ich angestellt war, nach Hause kam, wurde[n] ich und mein Vater von der Deutschen Polizei nachts 3 Uhr geweckt, „angezogen und mitgekommen“, das waren die einzigen deutschen Worte die sie sprachen, und sie marschierten uns mit nichts in den Haenden zum Hauptbahnhof, zuerst zu der Polizeiwache und wurden wie wilde Tiere nach Polen abgeschoben unter Mordsdrohungen, wo mein Vater spaeter ermordet worden ist in den Gasoven […] verbrannt.
Unser Haus war im October, wo wir verschleppt wurden, im besten Zustand, die Wohnungen waren vermietet, die Geschaeftsraume auch und meine Eltern haben jeden Monat Geld von den eingegangenen Mieten erhalten.
Wenn die Deutschen uns das Haus in 1991 zurueck gaben, wurde uns nicht gesagt, dass die Komunisten und Nazies das Haus vollkommen zerbrochen haben und wir Erben es nicht verkaufen koennen und jetzt verlangen Sie Steuern von mir und meinen beiden Neffen??? Wo ist die Gerechtigkeit??? Bitte nehmen Sie das Haus zurück und geben Sie uns was Sie wollen. Ich bin eine alte Frau und habe so viel mitmachen müssen […] ich kann nicht mehr kaempfen. […] (Original)