“Warum denn nach Polen?” – Miriam Schapira über den 28.10.1938 in Leipzig

By admin, 2 November, 2018
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In unserer jüdischen Schule beteten die Jungen am Morgen. Die Mädchen mussten es nicht, aber sie mussten ein Frühstück für die Jungen vorbereiten, das sie nach dem Gebet essen konnten. Meine Freundin und ich waren an der Reihe, den Tee zuzubereiten, und wir mussten um 7.00 Uhr statt um 8:00 Uhr in der Schule sein. Ich war bereits angezogen und bereit, das Haus zu verlassen, als ich das Klopfen an unserer Tür hörte. Als ich die Tür öffnete, standen zwei große Polizisten an der Tür. Sie fragten: „Wo sind deine Eltern?“ Ich sagte ihnen, dass sie schlafen. „Weck sie auf, ihr fahrt nach Polen.“ Ich antwortete: „Was? Was habe ich mit Polen zu tun? Ich bin in Deutschland geboren.“ Er sagte: „Bring mich zum Schlafzimmer deiner Eltern.“ Sie gingen beide in ihr Schlafzimmer, schalteten das Licht ein und sagten: „Steht auf. Ihr fahrt nach Polen.“ Meine Mutter dachte, es wäre ein schlechter Traum. Sie sagten: „Stellt keine Fragen, ihr fahrt nach Polen.“


Mein Vater dachte, es gäbe ein Problem mit seinen Einkommensteuererklärungen. Meine Mutter sagte mir, ich solle meinen 16jährigen Bruder aufwecken. Meine Eltern fragten, warum sie nach Polen sollten – konnten sie etwas mitnehmen? Die Polizisten sagten: „Ihr werdet in ein solches Kulturland fahren.“ (Wenn Deutsche über Polen sprachen, sagten sie immer „schmutzige Polen“). „Nein“, sagte er, „nehmt nichts mit.“ [einer der Polizisten - d. Red.] Mein Vater rief seinen Bruder an und bat ihn, die Schlüssel zu unserer Wohnung zu nehmen. Er fragte meinen Vater: „Was hast du getan?“ Mein Vater antwortete: „Nichts.“ Meine Tante kam und nahm die Schlüssel mit, aber als sie nach Hause kam, war die Polizei in ihrem Haus, und sie wurden wirklich sofort nach Polen geschickt.

Ich werde meine Nachbarin nie vergessen. Sie war Witwe. Sie trug ihr Nachthemd, hatte hastig ihren Mantel übergestreift und hielt eine kleine Handtasche. Als ich sie fragte, warum sie nicht angezogen sei, sagte sie mir, die Polizei habe ihr keine Zeit gelassen.

Body (English)

In our Jewish school the boys were praying in the morning. The girls didn't have to, but they had to prepare breakfast for the boys to eat after praying. It was the turn of my friend and I to make the tea and we had to be at school at 7:00 instead of 8:00. I was already dressed and ready to leave the house when I heard knocking at our door. When I opened the door, two tall policemen were standing at the door. They asked, "Where are your parents?" I told them they were asleep. "Wake them up, you are going to Poland." I answered, "What? What do I have to do with Poland? I was born in Germany." He said, "Take me to the bedroom of your parents." They both went into their bedroom and put on the light and said, "Get up. You are going to Poland." My mother thought it was a bad dream. They said, "Don't ask questions, you are going to Poland."

My father thought there was a problem with his income tax returns. My mother told me to wake up my 16-year-old brother. My parents asked why they were going to Poland – could they take something with them? The policemen said, "You are going to such a cultural land." (When Germans talked about Poland they said "dirty Poles"). "No," he said, "don't take anything with you." My father phoned his brother and asked him to take the keys to our apartment. He asked my father, "What have you done?" My father answered, "Nothing." My aunt came and took the keys but when she got home, the police were in her house, and they really were sent immediately to Poland.

I will never forget my neighbor. She was a widow. She was wearing her nightgown, had hastily put on her overcoat and was carrying a little handbag. When I asked her why she wasn't dressed, she told me the police didn't give her time. (Original)

Sprecher
Datum und Ort
Oktober 2018, Leipzig (Radio Blau)