Ich bin in einer Kleinstadt in Polen geboren. Ich hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. [...] Wir waren eine jiddisch sprechende und orthodoxe Familie. Als ich vier Jahre alt war, emigrierten wir nach Leipzig in Deutschland. In Polen hatte mein Vater eine Brauerei und handelte auch mit Holz und wir waren ziemlich wohlhabend. Aber es gab Pogrome und viel Antisemitismus und der Bruder meiner Mutter wohnte in Leipzig und er drängte uns, dorthin zu kommen. Es war keine schöne Zeit für mich, weil ich kein Deutsch konnte. Ich wurde in einen jüdischen Kindergarten geschickt, wo ich lernte, Deutsch zu sprechen. [...] Ich persönlich machte in meiner Schulzeit keine antisemitischen Erfahrungen. Mit Hitlers Ankunft besuchte ich eine jüdische Schule und anschließend für ein Jahr eine Handelsschule.
Meine Kindheit war nicht gerade glücklich. Es ging uns nicht gut und weil wir Polen waren, hatten wir auch keine Sicherheit. Wir mussten ständig um eine Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigungen bitten. Als ich 16 war, begann ich, mich nach einem Job umzusehen, was sehr schwierig war. Meine Familie war sehr gläubig und ich musste einen Job finden, bei dem ich nicht am Sabbat arbeiten musste. [...] Da ich mich für die Sozialarbeit interessierte, fand ich schließlich eine Stelle in der Sozialabteilung der jüdischen Gemeinde. Zu dieser Zeit wurden viele Berufsausbildungen zu Auswanderungszwecken durchgeführt. (Übersetzung: Judith Lanio)