Mir fällt ein, dass mein Vater früher ganzjährig in dem winteroffenen Schreberbad eine Morgenrunde schwimmen ging, bevor er zur Bank radelte. Mit dem Schwimmvergnügen war 1936 Schluss, weil es ihm von den Nationalsozialisten verboten war. Ich erinnere mich, dass er dann jeden Morgen in unserer Badewanne daheim kalt badete – dabei schunkelte er immer so, dass das Wasser fast überschwappte! Das fand ich immer lustig.
Meine Eltern schickten mich zum privaten Musikunterricht, zu einer jüdischen Klavierlehrerin. Als ich eines Tages dorthin kam, war das ganze Zimmer verwüstet und der Flügel lag umgekippt da. Meine Lehrerin war von Mitgliedern der SA besucht worden. Das war im Jahr 1938.
Als es 1939 um die Wahl meiner Schulausbildung ging, stand bereits fest, dass ich als sogenannter Mischling ersten Grades zu einem Universitätsstudium nicht zugelassen werden würde. Folglich meinte mein Vater, dass es besser wäre, mich auf eine Mittelschule zu schicken, weil Gymnasien eher ausgerichtet sind als Vorbereitung auf eine akademische Ausbildung. Von 1940 bis zum 3.Dezember 1943, also bis meine Mutter mit mir Leipzig verließ, besuchte ich dann die Mittelschule in der Reclamstraße.