Rückblenden - Ruth Spencer erlebt als 7-Jährige Gewalt und Verfolgung

By admin, 2 November, 2018
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Als ich 1936 zur Schule musste, war es eine jüdische Schule. Juden durften keine nicht-jüdische Schule besuchen, da die Nürnberger Gesetze bereits begonnen hatten. Mein Vater holte mich nachmittags von der Schule ab und eines Tages kam er zu spät und ich sah, dass viel Blut in seinem Auto war. Es stellte sich heraus, dass ein jüdischer Junge von einem Auto angefahren worden war und niemand ihn ins Krankenhaus bringen wollte, also brachte ihn mein Vater ins jüdische Krankenhaus.

Im Oktober 1938 wurde es viel schlimmer. Mein Onkel Bernard wurde vor seinem Laden im Brühl zusammengeschlagen und Juden polnischer Herkunft wurden nach Polen deportiert, egal wie lange sie in Deutschland gelebt hatten. Unser jüdisches polnisches Dienstmädchen wurde von zwei Polizisten mit Schäferhunden aus unserer Wohnung geholt. Sie zogen sie schreiend unter dem Bett meiner Eltern hervor, wo sie sich versteckte. Ich war sieben Jahre alt.

Meine beste Freundin hatte einen polnischen Vater und eine amerikanische Mutter. Eines Tages kam sie vom Einkaufen nach Hause und ihr Mann war weg, er war zum Bahnhof gebracht worden, um deportiert zu werden, also eilte sie dorthin, und weil sie einen amerikanischen Pass hatte, konnte sie ihn retten. Leider wurden viele meiner Schulfreunde von den Nazis ermordet.

Bald darauf, nach der Kristallnacht, wurde mein Vater ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er einen Monat lang festgehalten wurde, bis mein Onkel, der mit meinem Vater im ersten Krieg in der österreichischen Armee gekämpft hatte, in seiner Uniform mit seinen Tapferkeitsmedaillen nach Sachsenhausen fuhr und erreichte, dass er freigelassen wurde. Wir feiern diesen Tag auch heute noch.

Während mein Vater im Lager war, gelang es meiner Mutter, Visa und Tickets nach Haiti zu bekommen, die es uns ermöglichten, Deutschland im April 1939 zu verlassen, nachdem wir alles für fast kein Geld verkauft hatten. Meine Tante Liesl, die nicht jüdisch war, gab eine Abschiedsparty für uns, und einer ihrer Verwandten war in der Luftwaffe und seine letzten Worte an uns waren „Auf Wiedersehen über London“. Leider hat er den Krieg überlebt.

Wir machten einen Zwischenstopp in Holland, um meinen Onkel Leon und meine Großmutter, seine Frau Else und meinen Cousin Manfred, der acht Jahre alt war, zu besuchen. Wir sollten meine Großmutter, Else oder Manfred nie wiedersehen. Sie wurden alle nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wurden.

Body (English)

When I had to go to school in 1936 it was a Jewish school. Jews were not allowed to go to a non-Jewish School as the Nuremberg Laws had already started. My father used to pick me up from school in the afternoon and one day he was late and I saw that there was a lot of blood in his car. It turned out that a young Jewish boy had been knocked down by a car and no-one would take him to hospital so my father took him to the Jewish hospital.

In October 1938 things got much worse. My uncle Bernard was beaten up outside his shop on the Bruhl and Jews of Polish origin were being deported to Poland no matter how long they had lived in Germany. Our Jewish Polish maid was taken from our flat by two policemen with Alsatian dogs. They dragged her out screaming from under my parents bed where she was hiding. I was seven years old.

My best friend had a Polish father and an American mother. One day she came home from shopping and her husband had gone, taken to the railway station for deportation, so she rushed there and because she had an American passport she managed to save him. Sadly many of my school friends were murdered by the Nazis. 

Soon after this, after Kristallnacht, my father was taken to Sachsenhausen concentration camp, where he was held for a month until my uncle, who had fought in the first war in the Austrian army with my father, went to Sachsenhausen dressed in his uniform with his bravery medals and got him released. We always celebrate that day even today.

While my father was in the camp, my mother managed to get visas and tickets to Haiti which enabled us to leave Germany in April 1939 after we had sold everything for almost no money. My aunt Liesl, who was not Jewish, gave a farewell party for us and one of her relations was in the Luftwaffe and his last words to us were "See you over London". Sadly he survived the war.

On the way we stopped in Holland to see my uncle Leon and my grandmother, his wife Else and my cousin Manfred who was eight. We were never to see my grandmother, Else or Manfred again. They were all taken to Teresienstadt and then to Auschwitz, where they were murdered.

Sprecher
Datum und Ort
Juni 2018, Leipzig
Einreicher
Rechteinhaber
Rechtestatus