Papa zahlte die Miete für unsere Wohnung in Leipzig bis auf den letzten Groschen und die Inhaberin sagte uns, daß wir jederzeit zurückkommen und bei ihr wohnen könnten. Spät am Abend verließen wir unsere Wohnung. Als das Taxi zu fahren begann, sahen wir mit Tränen in unseren Augen nach hinten. Ich umarmte meine kleine Puppe mit dem Porzellankopf und Stoffkörper, das einzige was ich mitnehmen durfte (außer einigen Büchern) – und versteckte meinen Kopf in Muttis Schoß. Ich wollte nichts sehen. So kamen wir zum Bahnhof. Durch das Waggonfenster sah ich die weinenden Gesichter von Onkel Heini und Tante Sally und der Cousins – die einzigen Verwandten, die in Leipzig geblieben waren. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir sie nie mehr sehen würden: kurz nach unserer Abreise wurden sie nach Osten deportiert (sie waren deutschen Staatsbürger) und dort ermordet.
An der Grenze wollte der deutsche Grenzbeamte mir meine Puppe wegnehmen! Er sagte mir: „Gib mir die Puppe für meine Tochter!“. Ich schrie: „Nehmen sie alles, aber lassen sie mir das kleine bisschen Leipzig das mir geblieben ist!“. Er lächelte und sagte, daß er mich die Puppe als Andenken an mein Vaterland mitnehmen ließe. Meine Eltern atmeten erleichtert auf. Ich wusste nicht, dass sie in der Puppe Goldmünzen versteckt hatten. Und mit dem Geld, daß wir dafür bekamen, haben wir uns noch lange Zeit beholfen.