Vielleicht haben Sie von der Polenabschiebung gehört…
Alle Juden, die wie meine Familie die polnische Staatsbürgerschaft hatten, wurden „zurück“ nach Polen geschickt. Hier ist zu erklären, dass die Eltern meines Vaters aus Polen kamen, er selbst aber nicht in Polen geboren wurde und nie in Polen war. […] Die Abschiebung fand einige Monate [Wochen; d. Red.] vor der Kristallnacht statt. Als ich an dem Tag zur Schule kam, hing dort ein großes Schild: „Arbeit macht frei“. Man sagte mir, es gebe heute keine Schule. Ich ging also wieder nach Hause. Dort fand ich meine Mutter mit ihrem Baby von einigen Wochen, mit einem Gallenanfall. Infolgedessen, als die Polizei sie und uns vier Kinder festnehmen woll[t]e zum „Abschieben“, ließen sie uns in Ruhe. Das war damals noch möglich.
[Es] kamen gute Freunde, die die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, zu uns, den „Polen“, um sich bei uns zu verstecken. Unter ihnen waren Felix Carlebach und seine Frau Babette. […] Zwei Erinnerungen dieser Tage sind: 1) Ich hörte das laute Klopfen der Polizei bei unseren Nachbarn. 2) Vom Fenster des Esszimmers blickten wir auf die Straße und sahen einen gefesselten Rabbiner in der Mitte der Polizisten gehen.