Eine Familie entkommt der "Polenabschiebung" und versteckt Freunde - Esther Goshen-Gottstein über den Herbst 1938

By admin, 2 November, 2018
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Vielleicht haben Sie von der Polenabschiebung gehört…  

Alle Juden, die wie meine Familie die polnische Staatsbürgerschaft hatten, wurden „zurück“ nach Polen geschickt. Hier ist zu erklären, dass die Eltern meines Vaters aus Polen kamen, er selbst aber nicht in Polen geboren wurde und nie in Polen war. […] Die Abschiebung fand einige Monate [Wochen; d. Red.] vor der Kristallnacht statt. Als ich an dem Tag zur Schule kam, hing dort ein großes Schild: „Arbeit macht frei“. Man sagte mir, es gebe heute keine Schule. Ich ging also wieder nach Hause. Dort fand ich meine Mutter mit ihrem Baby von einigen Wochen, mit einem Gallenanfall. Infolgedessen, als die Polizei sie und uns vier Kinder festnehmen woll[t]e zum „Abschieben“, ließen sie uns in Ruhe. Das war damals noch möglich.

[Es] kamen gute Freunde, die die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, zu uns, den „Polen“, um sich bei uns zu verstecken. Unter ihnen waren Felix Carlebach und seine Frau Babette. […] Zwei Erinnerungen dieser Tage sind: 1) Ich hörte das laute Klopfen der Polizei bei unseren Nachbarn. 2) Vom Fenster des Esszimmers blickten wir auf die Straße und sahen einen gefesselten Rabbiner in der Mitte der Polizisten gehen.

Body (English)

Maybe you heard about the deportation of Polish people...  

All Jews who, like my family, had Polish citizenship were sent “back” to Poland. Here it must be explained that my father's parents came from Poland, but he himself was not born in Poland and had never been in Poland. […] The deportation took place several months [weeks] before Crystal Night. When I came to school that day, there was a big sign: “Arbeit macht frei”. I was told there's no school today. So I went home again. There I found my mother with her baby of a few weeks, with a bilious attack. As a result, when the police wanted to arrest her and the four of us children for “deportation”, they left us alone. That was still possible back then.

Good friends who had German citizenship came to us, the “Poles”, to hide at our place. Among them were Felix Carlebach and his wife Babette. […] Two memories of these days are: 1) I heard the loud knocking of the police at our neighbours’. 2) From the window of the dining room we looked out onto the street and saw an arrested rabbi walking between the policemen.

Sprecher
Datum und Ort
Juni 2018, Leipzig
Rechtestatus