Meine frühesten Erinnerungen an meinen Vater, Euren Ur-Grossvater: Er war lustig, hatte viel Zeit für mich und machte vieles, was meine Mutter ärgerte: Zum Beispiel wünschten wir Kinder uns ein Eichhörnchen und eines Tages brachte er eins. Wir hatten am Ende einer recht grossen Wohnung ein Zimmer mit einer Glasveranda – wir nannten es Zoo, weil dort ein grosses Terrarium mit einem Haufen Kriechtieren war und ein grosser Stall für die weissen Mäuse...für mich waren es unzählige. Dazu kam noch ein grosser Hund und ab und zu mal ein paar Vögel.
Und nun kam also das Eichhörnchen. Es wirbelte zu unserem Gaudi nur so herum, kletterte an den Vorhängen rauf und runter, bis es sie zerschlissen hatte und herunterzerrte. Wir lachten uns halb kaputt bis die Mutter eintrat und schrie wie am Messer, als sie die Bescherung sah. Da verging uns das Lachen. Immer wieder schrie sie: Das Viech muss weg...
Ich weinte, die Brüder waren wütend und der Vater brachte es am gleichen Tag noch in die Zoohandlung zurück.
Die Brüder fluchten und tuschelten, was ich nicht verstand. Beim Nachtessen weinte die Mutter über ihre verrückte Familie. Aber es kam noch ärger...
Am nächsten Tag wimmelte es fast in der ganzen Wohnung von allen Viechern, die aus der offenen Tür des Terrariums und dem Mäusestall die Freiheit ergriffen hatten. Angeblich hatten die Brüder die Türen beim Füttern nicht richtig verschlossen. Stimmte gar nicht – es war ihre Rache wegen des Eichhörnchens. Meine arme Mutter (mich hats zwar auch „gegrust“), und den Hund mussten wir zu den Nachbarn geben, bis wir wieder die armen Tiere versorgt hatten. Mein Vater liess sich bei dieser Aktion nicht blicken. (Original)