Ein Eichhörnchen und ein großes Spektakel – Ruth Cerf erzählt aus ihrer Kindheit

By admin, 2 November, 2018
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Meine frühesten Erinnerungen an meinen Vater, Euren Ur-Grossvater: Er war lustig, hatte viel Zeit für mich und machte vieles, was meine Mutter ärgerte: Zum Beispiel wünschten wir Kinder uns ein Eichhörnchen und eines Tages brachte er eins. Wir hatten am Ende einer recht grossen Wohnung ein Zimmer mit einer Glasveranda – wir nannten es Zoo, weil dort ein grosses Terrarium mit einem Haufen Kriechtieren war und ein grosser Stall für die weissen Mäuse...für mich waren es unzählige. Dazu kam noch ein grosser Hund und ab und zu mal ein paar Vögel.

Und nun kam also das Eichhörnchen. Es wirbelte zu unserem Gaudi nur so herum, kletterte an den Vorhängen rauf und runter, bis es sie zerschlissen hatte und herunterzerrte. Wir lachten uns halb kaputt bis die Mutter eintrat und schrie wie am Messer, als sie die Bescherung sah. Da verging uns das Lachen. Immer wieder schrie sie: Das Viech muss weg...

Ich weinte, die Brüder waren wütend und der Vater brachte es am gleichen Tag noch in die Zoohandlung zurück.

Die Brüder fluchten und tuschelten, was ich nicht verstand. Beim Nachtessen weinte die Mutter über ihre verrückte Familie. Aber es kam noch ärger...

Am nächsten Tag wimmelte es fast in der ganzen Wohnung von allen Viechern, die aus der offenen Tür des Terrariums und dem Mäusestall die Freiheit ergriffen hatten. Angeblich hatten die Brüder die Türen beim Füttern nicht richtig verschlossen. Stimmte gar nicht – es war ihre Rache wegen des Eichhörnchens. Meine arme Mutter (mich hats zwar auch „gegrust“), und den Hund mussten wir zu den Nachbarn geben, bis wir wieder die armen Tiere versorgt hatten. Mein Vater liess sich bei dieser Aktion nicht blicken. (Original)

Body (English)

My earliest memories of my father, your great-grandfather: He was funny, had a lot of time for me and did many things that annoyed my mother: For example, we, the children, wanted a squirrel and one day he brought one. We had a room with a glass veranda at the end of a rather large apartment – we called it the zoo, because there was a big terrarium with a bunch of reptiles and a big hutch for the white mice...for me they were countless. There was also a big dog and now and then a few birds.

And now the squirrel came. It whirled around to our amusement, climbed up and down the curtains until it had torn them apart and dragged them down. We laughed a lot until our mother entered and began screaming when she saw the mess. That's when we stopped laughing. She kept screaming: That creature’s got to go...

I cried, my brothers were angry and our father brought it back to the pet shop the same day.

My brothers cursed and whispered to each other, which I did not understand. At dinner, our mother cried over her crazy family. But it got even worse...

The next day, almost the whole apartment was teeming with all the animals that had escaped through the open door of the terrarium and the mouse hutch. Allegedly my brothers had not locked the doors properly when feeding. It wasn't true – it was their revenge for the squirrel. We had to bring my poor mother (although it gave me the creeps, too) and the dog to the neighbours until we had taken care of the poor animals again. My father didn't show up during this action. (Übersetzung: Judith Lanio)

Sprecher
Datum und Ort
September 2018, Leipzig