Auswanderung wegen Kriegsbeginn nicht möglich - Heinz Sprung bleibt Gefangener

By enterhistory, 23 June, 2026
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7. Dezember 1939 

Der letzte Transport nach Sachsenhausen ist weg. Wir sind noch sechs Mann in der Arbeitsanstalt. Der Polizeimeister sagt, morgen werden wir entlassen, unserer Auswanderungspapiere wegen. Nachmittags kommen Mutti und die Schwestern. Der Oberinspektor ist nicht da. Der Polizeimeister ist gnädig, er kennt mich schon beim Namen, ich darf ihm öfter die Stiefel putzen. Er ruft uns selbst zum Tor. Zum ersten Mal ist kein Posten da beim Besuch von Mutti. Sie bringen ungeheure Fresspakete. In der Auswanderungssache ist alles fertig. Sie erwarten den Entlassungsbefehl von Berlin jede Stunde. Unsere Stimmung ist sehr gut. Meine Mutter küsst mich zum Abschied wie immer. „Morgen kommt ihr bestimmt nach Hause“, sagt sie. Weder sie noch ich ahnen, dass sie nie, nie wieder ihren Sohn küssen wird. Am nächsten Vormittag kommt uns das Polizeiauto abholen. „Ihr werdet zum Präsidium gefahren und dort entlassen“, sagt uns der Polizeimeister. Durch das kleine vergitterte Fenster sehe ich Leipzigs Straßen an mir vorüberrollen – ich weiß nicht, dass ich sie für viele, viele Jahre das letzte Mal sehe. Der Wagen fährt in den Hof des Präsidiums ein, knirschend schließt sich das große eiserne Tor hinter uns – wir sind wieder Gefangene.

8. Dezember 1939 bis 24. März 1940

Polizeipräsidium Leipzig. Gewöhnlicher Gefängnisbetrieb. Keine besonderen Ereignisse. Am 23. März werden Vati und ich zu einer Befragung durch die Gestapo gerufen. Dieser eröffnet uns in dürren Worten, dass unsere Auswanderung des Krieges wegen nicht möglich sei. Wir würden wir morgen ins Konzentrationslager Sachsenhausen überführt.

Body (English)

December 7, 1939

The last transport to Sachsenhausen has left. There are still six of us left at the work camp. The police sergeant says we’ll be released tomorrow because of our emigration papers. In the afternoon, Mom and my sisters arrive. The chief inspector isn’t there. The police sergeant is kind; he already knows me by name, and I’m often allowed to polish his boots. He calls us to the gate himself. For the first time, there’s no guard present during Mom’s visit. They bring enormous care packages. Everything is ready for our emigration. They’re expecting the release order from Berlin any hour now. We’re in high spirits. My mother kisses me goodbye as always. “You’ll definitely be coming home tomorrow,” she says. Neither she nor I have any idea that she’ll never, ever kiss her son again. The next morning, the police car comes to pick us up. “You’re being taken to police headquarters, where you’ll be released,” the police sergeant tells us. Through the small barred window, I watch Leipzig’s streets roll by—I don’t know that this is the last time I’ll see them for many, many years. The car pulls into the courtyard of police headquarters; the large iron gate closes with a creak behind us—we are prisoners once again.

December 8, 1939, to March 24, 1940

Leipzig Police Headquarters. Prison operations as usual. No notable events. On March 23, Dad and I were summoned for questioning by the Gestapo. They informed us in terse terms that our emigration was not possible due to the war. We would be transferred to the Sachsenhausen concentration camp the next day.

Sprecher
Datum und Ort
7. Dezember 1939, Sachsenhausen