Nach 4 Wochen geht der erste Transport ins Konzentrationslager Buchenwald. Weitere folgen in regelmäßigen Abständen, auch nach Sachsenhausen. Gepäck darf auf diese Transporte nicht mitgenommen werden, nur, was man auf dem Leib hat. Bewachung des „Internierungslagers“ durch Polizei. Kommandant: Polizeimeister Klinger. Nach einem Vierteljahr verlässt der letzte Transport die Arbeitsanstalt. Die letzten 6 Juden werden ins Polizeigefängnis überführt, da sie fertige Auswanderungspapiere haben, darunter mein Vater und ich.
Persönliches: Ich arbeite die erste Zeit mit allen unten im Hof beim Holz. Die Arbeit ist schwer, es wird sehr schikaniert. Wir werden mit Versprechungen, dass es dann morgen langsamer ginge, zu […] Gewaltanstrengungen gezwungen, es muss „noch viel, viel schneller gehen“, wie der Oberinspektor immer betont. Er ist die treibende Kraft zum Bösen in der Anstalt, er beherrscht und kommandiert alles, obwohl ihm nur die Arbeitsanstalt mit den Geistesschwachen untersteht und der Polizeimeister Klinger für das „Internierungslager“ verantwortlich ist. Der Oberinspektor ist der Typ des deutschen Kleinbürgers: beschränkt, borniert, äußerlich von untersetzter Statur, mit Schmerbauch und Glatze. Durch die Nazi-Erziehung kommen als hervorstechendste Eigenschaften noch Sadismus, Grausamkeit und verbohrter Hass gegen alles Jüdische hinzu, genährt auch der Neid des Unfähigen gegen alle, denen es auf Grund größerer Intelligenz, Tüchtigkeit, Fleiß besser geht. – Der Polizeimeister Klinger, der ebenso beschränkt, aber gutmütiger ist, gerät ins Fahrwasser und unter völligen Einfluss des Oberinspektors und steht ihm bei den Schlägereien nicht mehr viel nach. In seinem Vertreter, einem hochanständigen Polizei-Hauptwachtmeister, erkennt mein Vater einen Geschäftskunden wieder – die Beziehung wird ausgenutzt, wir bekommen Stullenpakete von zu Hause, dürfen, wenn der Oberinspektor abwesend ist, den Besuch von Mutter und Schwestern empfangen und ich wechsle meinen Arbeitsplatz: ich werde Maschinenschreiber im Büro des Hauptwachmeisters. Ich mache etwas Korrespondenz und schreibe die Transportlisten ins KZ, wobei ich den Kameraden insofern nützlich sein kann, als sie von mir schon einen Tag früher erfahren, dass sie weggehen und sich etwas vorbereiten können, während sie es so immer ½ Std. vor dem Abtransport erst erfahren haben. Dort habe ich leichte Arbeit, kriege ab und zu vom Hauptwachmeister oder einem Polizeiposten ein Stück Brot zugesteckt und bleibe dort bis zum letzten Tag. Ich bin der Jüngste von allen.
Reitsaal Fäden + Schmutz auflesen
Gesicht gegen die Wand
Hilfspolizei – Schikanen