"Zum Schluss hat man uns in Theresienstadt ausgeladen" - Ursula Breslauer über Auschwitz, das KZ Flossenbürg-Außenlager Oederan und ihre Befreiung

By enterhistory, 21 June, 2026
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Am Abend kamen wir in eine Baracke mit Betten und am nächsten Tag ging es so weiter und weiter. Ab und zu, ein- oder zweimal am Tag irgendwo duschen und kontrolliert werden, bis man mich in irgendeine Krankenbaracke brachte. Die Nacht vorher hörte ich dort Autos an- und abfahren.

Als ich da hineinkam, traf ich Frau Dr. Frankenthal dort. Sie sagte, dass in der Nacht die Frauen für die Gaskammern geholt wurden. Dort bekam ich irgendeine Salbe für die Wunden und nach drei Tagen wurde ich in eine angrenzende Baracke gebracht, wo ich Bekannte aus Holland traf.

In der Nacht hörten wir wieder die Autos nebenan. Nach ein- oder zwei Tagen bekamen wir eine große Portion Brot und Wurst und wurden in die Eisenbahn gebracht. Nach einiger Zeit sah ich an den Schildern auf den Bahnhöfen, wo wir durchfuhren, dass wir in Sachsen sind.

So kamen wir bis Oederan in der Nähe von Chemnitz. Dort war ein ganz kleines Lager mit nur 500 Frauen. Der größte Teil arbeitete in einer Munitionsfabrik.

Eine Gruppe von 30 Frauen, darunter auch ich und die meisten der holländischen Mädels, hatten sogenannte Außenarbeit. Das bedeutete täglich zehn Minuten in eine andere Fabrik laufen, dort beim Umbau von der Weberei zu arbeiten und am Ende die neuen Munitionsmaschinen einarbeiten. Wir bekamen etwas mehr zu essen, weil wir schwerer arbeiteten.

Das hatten wir einem der Aufseher zu verdanken. Das war ein Mann, Invalide vom Ersten Weltkrieg, der mit nur einer Hand ein Gewehr über der Schulter hängen hatte und probierte, uns so viel in seiner beschränkten Macht war, zu helfen. Auch arbeiteten dort Italiener und russische Kriegsgefangene.

Diese hatten einen Dolmetscher. Da bei uns auch Frauen aus der Tschechei untergebracht waren, konnten sie mit diesem Dolmetscher Russisch-Tschechisch reden und es stellte sich heraus, dass er englische Nachrichten hört. So bekamen wir gute Informationen über das Vormarschieren der Alliierten.

Am 14. April in der Früh, wurden wir wieder zum Bahnhof gebracht. Wir hörten die Kanonen im Süden und Osten von uns schießen, und wussten, dass es in ganz kurzer Zeit aus sein musste.

Jedoch sind wir noch eine ganze Woche herumgefahren, stets in südliche [?] Richtung. Den größten Teil der Zeit standen wir still, da die Lokomotive immer wieder abgekoppelt wurde. Jeden Morgen waren auch weniger SS-er da.

Zum Schluss hat man uns in Theresienstadt ausgeladen. Dort waren wir eine Woche in Quarantäne. Das Rote Kreuz hatte das Lager schon übernommen, so gab es gut zu essen.

Nach dieser Woche konnten wir uns frei bewegen und ich hatte stets Kontakt mit beiden Großmüttern. Die Russen marschierten am 5. Mai ein und das war wie ein Traum.

Einige Tage später kamen auch zwei Soldaten von der Palästina-Armee und das war überhaupt etwas Unerhörtes für uns. Ende April wurde eine Probe gemacht, inwiefern die verschiedenen Zonen die Leute durchlassen, und bat man: „Freiwilliger für die Eisenbahn nach Holland!“ So habe ich mich gemeldet.

Die Reise dauerte so lange, aber wir haben es alle genossen. Wir sind den ganzen Rhein heruntergefahren und wenn es wieder einmal keine Lokomotive gab, sind wir spazieren gegangen in den blühenden Obstgärten oder haben uns am fließenden Bach gewaschen. Das war eine ganz besondere Periode.

In Holland wurden wir sehr schön empfangen. [...]

Sprecher
Datum und Ort
1945