Gerda Gottschalk war das jüngste von fünf Geschwistern – sie hatte einen Bruder, Hermann Gerson, und drei Schwestern, Gabriele, Erika und Helga. Die Eltern zogen im April 1910 nach Leipzig in die Weinligstr. 11 in Gohlis, da der Vater der Familie hier als Rechtsanwalt am Amts- und Landgericht arbeitete. Dieser, Justizrat Dr. jur. Hermann Salomon Gottschalk (geb. 29.10.1867, Gröbzig), heiratete kurz zuvor die Lehrerin Gertrud Richter (14.3.1881, Rostock) in Steglitz (Berlin).
Die Familie war fest in der Stadt verwurzelt. Gerda besuchte die 36. Volksschule und anschließend die Gaudigschule sowie für ein Jahr die Höhere Handelsschule. Ihr Wunsch war es, Schauspielerin zu werden. 1935 legte sie die Eignungsprüfung am Alten Theater bei Herrn Detlev Siercke ab, wurde aber wegen Ihrer Abstammung nicht in die Schauspielschule aufgenommen.
Ihr Bruder Hermann begann 1929 mit dem Jurastudium in Leipzig, weitere Ausbildungsorte waren Rostock und Heidelberg. Gemeinsam mit der Schwester Erika organisierte Hermann nach 1933 Treffen im Kleingarten des Vaters, um u.a. kommunistische Literatur zu lesen. Aufgrund des Verbots kommunistischer Gruppierungen ab 1933 war dies illegal und die Geschwister wurden kurz darauf durch einen Spitzel verraten und festgenommen.
Die perfiden Regeln der NS-Rassenideologie trafen Helga und Gerda Gottschalk. Helga war Buchhalterin und Gerda arbeitete zu Beginn der 1940er Jahre als Sekretärin beim Kaplan des Leipziger Oratoriums Josef Gülden im Umfeld der katholischen Liebfrauenkirche in Lindenau. Als sogenannte „Mischlinge I. Grades“ sollten auch die Geschwister ab dem 1. September 1941 einen gelben Stern zur Stigmatisierung als Jüdinnen an ihrer Kleidung tragen. Die beiden Schwestern wurden am 29.10.1941 verhaftet und kamen zunächst in das Polizeigefängnis in der Wächterstraße. Wegen Überfüllung inhaftierte man sie kurz vor Weihnachten 1941 in der Städtischen Arbeitsanstalt in der Riebeckstr. 63.
Die Eltern mussten mit ansehen, wie die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ihre Familie und ihre soziale Stellung zerstörte. Hermann Salomon Gottschalk wurde 1933 seines Amtes als Notar enthoben und er verlor seine Zulassung als Rechtsanwalt. 71-jährig wurde er noch 1938 als sog. „Konsulent“ zur juristischen Beratung jüdischer Menschen zugelassen. Er starb am 27.3.1943 75-jährig im jüdischen Krankenhaus auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt in Leipzig – Dösen und wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof begraben. Als seine Frau Gertrud 1968 in Markkleeberg starb, wurde sie an seiner Seite beerdigt.