„Juden dürfen ein solches Bild nicht besitzen.“ – Erna Fein über die Enteignung und den Verlust eines Gemäldes

By enterhistory, 27 January, 2026
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Nachdem mein Mann nach Brüssel geflohen war, fing meine Verfolgung an. Der hohe Nazibeamte drohte mir, dass er sich jetzt in jeder Weise an mir rächen wollte und ich verging vor Angst, obwohl ich noch ruhig und still in meinem Apartment lebte.

In den folgenden Wochen des Dezembers und Januars wurde ich wiederholt früh um 7 Uhr zur Gestapo bestellt, wo ich 4 bis 5 Stunden warten musste und nie wusste, was mit mir wohl geschehen würde. Meist waren es jedoch nur belanglose Fragen, die ich beantworten sollte, zum Beispiel, ob und wie lange mein Mann in Brüssel bliebe, ob er dort Geschäfte mache, ob ich auch dorthin wolle. Meist wurde ich dann bald wieder entlassen. Es geschah alles nur, um mich aufzuregen und zu quälen. Nachdem mein Mann fort war, hatte ich kein Geldrecht mehr vom Geschäft. – Man setzte mich auf das schmalste Budget, bezahlte meine Miete und sonst hatte ich nur den allernötigsten Unterhalt für meine Mutter und mich. Für alles weitere musste ich zunächst Anträge an den sogenannten „Treuhänder“ des Geschäfts stellen. Dazu musste ich persönlich in dessen Geschäft gehen. Auch er ließ mich oft stundenlang warten und nie wurde mir dort ein Stuhl angeboten und ich musste stehen.

Es war bekannt, dass ich schönen und wertvollen Schmuck besaß. In später Abendstunde erschienen oft Nazibeamte mit Ausweis und ich musste ihnen meinen Schmuck zeigen und vorlegen. Im Laufe des Januar kamen dann die Verordnungen zur Abgabe von Schmuck und Silber, denen ich natürlich nachgekommen bin. Dadurch haben wir alle diese Wertobjekte verloren.

Alle diese Abgaben waren mit großen Schwierigkeiten verknüpft, mit vielen Gesetzen, Schreibereien, mit Warten, Schätzungen usw., alldem hatte ich nachzukommen.

Es war auch bekannt, dass wir ein Bild von Feuerbach besaßen, „Kopf einer Römerin“ (Anm.: „Mädchenkopf“/ „Porträt einer jungen Italienerin“). Eines Tages
kam der Kunsthändler Huhn, damals König-Johann-Straße (Anm.: bis 1947, danach Tschaikowskistraße) wohnend, mit einigen Nazibeamten und sie wollten den Feuerbach sehen. Die Nazibeamten nahmen den Feuerbach von der Wand und erklärten mir, sie müssten das Bild zu dem Spediteur Gerhard und May (Anm.: vermutlich ist die Gerhard & Hey AG gemeint) bringen zur Aufbewahrung, denn Juden wären nicht kompetent genug, ein solches Bild zu besitzen. Später versuchte ich das Bild wegen dem noch fehlenden Geld für die Reichsfluchtsteuer für RM 3600 zu verkaufen, aber niemand hat es gewagt, das Bild zu kaufen. Dieser Kunsthändler Huhn hat es dann für RM 2400 erworben und das Geld wurde meinem Sperrkonto gutgeschrieben, was ich aber bis zu meiner Ausreise aus Zwangsgründen verbrauchen musste.

Body (English)

After my husband fled to Brussels, my persecution began. The high-ranking Nazi official threatened me, saying that he now wanted to take revenge on me in every way possible, and I was terrified, even though I was still living quietly and peacefully in my apartment.

In the following weeks of December and January, I was repeatedly summoned to the Gestapo at 7 a.m., where I had to wait for 4 to 5 hours, never knowing what would happen to me. Most of the time, however, I was only asked trivial questions, such as whether and how long my husband would stay in Brussels, whether he was doing business there, and whether I wanted to go there too. Most of the time, I was released soon after. It was all done to upset and torment me. After my husband left, I no longer had any financial rights to the business. I was put on the tightest budget, my rent was paid, and otherwise I only had the bare necessities for my mother and myself. For everything else, I first had to submit applications to the so-called “trustee” of the business. To do this, I had to go to his office in person. He, too, often kept me waiting for hours, and I was never offered a chair and had to stand.

It was well known that I owned beautiful and valuable jewelry. Late in the evening, Nazi officials would often show up with their ID cards, and I had to show them my jewelry and hand it over. In January, regulations were issued requiring the surrender of jewelry and silver, which I naturally complied with. As a result, we lost all of these valuable items.

All these surrenders were associated with great difficulties, with many laws, paperwork, waiting, appraisals, etc., all of which I had to comply with.

It was also known that we owned a painting by Feuerbach, “Head of a Roman Woman” (note: “Girl's Head”/“Portrait of a Young Italian Woman”). One day, the art dealer Huhn, who lived on König-Johann-Straße at the time (note: until 1947, then Tschaikowskistraße), came with some Nazi officials and they wanted to see the Feuerbach. The Nazi officials took the Feuerbach off the wall and explained to me that they had to take the painting to the shipping company Gerhard und May (note: presumably Gerhard & Hey AG) for safekeeping, because Jews were not competent enough to own such a painting. Later, I tried to sell the painting for RM 3600 because I still owed money for the Reich flight tax, but no one dared to buy it. An art dealer named Huhn then purchased it for RM 2400 and the money was credited to my blocked account, which I was forced to use up before I left the country.

Sprecher
Datum und Ort
1938-1939
Einreicher
Rechtestatus