Body
Rolf Kralovitz und seine drei Jahre ältere Schwester verbrachten ihre Kindheit und Jugend im Waldstraßenviertel, die Familie lebte ab 1927 in der Fregestraße 22. Wegen seiner jüdischen Abstammung war Kralovitz 1935 gezwungen, von der 40.Volksschule an die Höhere Israelitische Schule (Ephraim-Carlebach-Schule) zu wechseln. Im selben Jahr ging sein Vater, der ungarische Kaufmann Max Kralovitz, zurück in seine Heimat. Er baute dort eine neue Existenz auf, es gelang ihm aber nicht, Frau und Kinder nachzuholen.
In der Großen Synagoge erhielt Rolf Kralovitz die Bar Mitzwa. Wenige Monate später wurde er Zeuge, wie die Synagoge während des Pogroms in Leipzig ausbrannte. Mit 14 Jahren wurde er als Totengräber zwangsverpflichtet. Ende 1940 musste Rolf Kralovitz zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester in eines der sogenannten „Judenhäuser“ einziehen. Ab Herbst 1941 arbeitete er als Gehilfe in der Frisierstube von Günther Pulvermacher im jüdischen Gemeindehaus.
Im Oktober 1943 wurden alle drei verhaftet, Mutter und Schwester wurden nach Ravensbrück verschleppt, Rolf Kralovitz in das Konzentrationslager Buchenwald.
Body (English)
Rolf Kralovitz, who had a sister who was three years older, spent his childhood and youth in the district Waldstraßenviertel; the family lived on Fregestraße 22 from 1927. Owing to his Jewish descent, in 1935 Kralovitz was forced to move from the 40th elementary school to the Höhere Israelitische Schule (Ephraim Carlebach School). In the same year his father, the Hungarian merchant Max Kralovitz, returned to his home country. He built up a new existence there, but was unable to arrange for his wife and children to join him.
In the Great Synagogue Rolf Kralovitz received the bar mitzvah. A few months later he witnessed the synagogue burn out during the pogrom in Leipzig. At the age of 14, he was compulsorily obligated as a gravedigger. At the end of 1940 Rolf Kralovitz had to move into one of the so-called "Jew houses" together with his mother and sister. From autumn 1941 he worked as an assistant in the hairdressing salon of Günther Pulvermacher in the Jewish community centre.
In October 1943 the three of them were arrested; his mother and sister were deported to Ravensbrück, Rolf Kralovitz was carried off to the concentration camp Buchenwald.
Lebensstationen
Leipzig, USA, Köln / nach 1945
Rolf Kralovitz überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust. Nach dem Krieg war er zunächst in Leipzig und arbeitete als Kabarettist, später auch als Schauspieler, 1949 wandert er in die USA aus, wo er seine Frau Brigitte Meckauer kennenlernte. Mit ihr kehrte er 1953 nach Deutschland zurück und arbeitete ab 1960 als Produktionsleiter beim WDR.
Als Autor hinterließ Rolf Kralovitz der Nachwelt eindrückliche Schilderungen der Zeit des Nationalsozialismus, besonders seiner Kindheit und Jugend in Leipzig sowie seiner Zeit als Häftling im KZ Buchenwald.
Verwandschaft
Vater: Max Kralovitz
Mutter: Martha Kralovitz, geb. Burgheim
Schwester: Annemarie Kralovitz