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Joachim Kalters Familie wohnte in den 1930er Jahren in der Hallischen Str. 19 (heute Georg-Schumann-Str.; vermutlich zwischen Bleichert- und Böhmestr.). Am 28.10.1938 wurden die Kalters im Zuge der sogenannten "Polenaktion" aus Deutschland ausgewiesen und nach Polen abgeschoben. Joachim Kalter war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Lebensstationen
Flucht und Gefangenschaft in Polen und Deutschland, 1946 Emigration nach den USA / vom 28.10.1938 bis 06. MaiApril 1945
- nach der Ausweisung am 28.10.1938 und Ankunft in Beuthen, Weiterreise nach Krakau, drei Wochen später zieht Familie Kalter nach Tarnow,
- Joachim Kalter beginnt eine Lehre in einem Pelzgeschäft
- nach Einmarsch der Deutschen flieht die Familie Kalter im September 1939 zunächst in das Dorf Radomysl und später weiter in das Dorf Kolbuschow; einige Tage später entscheiden sie sich, nach Tarnow zurückzukehren
- November 1939 Zwangsarbeit für Joachim Kalter und sein älterer Bruder - sie werden einem Straßenbaukommando zugeteilt
- April 1940 Deportation ins Arbeitslager Debica (Ausbau eines SS-Truppenübungsplatz in Ostpolen)
- Juli 1944 Deportation ins KZ Auschwitz-Birkenau
- November 1944 Überführung ins Lager Monowitz (mit Hilfe seines Bruders, der dort inhaftiert war)
- Januar 1945 Transport ins KZ Buchenwald, von dort aus weiter ins Lager Langenstein im Harz
- nach der Evakuierung des Lagers Langenstein am 06. April 1945 bleiben Joachim Kalter und sein Bruder sich selbst überlassen zurück
Nach der Befreiung - Von Deutschland über Frankreich in die USA, 1945 bis 1994
- Ende April 1945 schließen sich Joachim Kalter und sein Bruder einem französischen Gefangenentransport an
- sie erreich am 03. Mai 1945 Charleville in Frankreich und kommen zunächst ins Gefängnis, weil sie keine Papiere hatten; fünf Tage später werden sie nach Paris geschickt
- nach ihrer Freilassung gehen sie nach Lyon zu Verwandten; Joachim Kalter lernt dort das Kirschnerfach
- am 20. Juni 1946 verlassen er und sein Bruder mit dem Schiff „William Floyd“ Frankreich Richtung USA – auf der Überfahrt schreibt Joachim Kalter seine Erinnerungen „Eine jüdische Odyssee“ und beendet sie am 02. Juli 1946, zwei Tage vor seiner Ankunft in Baltimore, Maryland
- sie ziehen weiter zu einem Onkel in Harrisburg, Pennsylvania, der für sie eine eidesstattliche Versicherung übernommen hatte.
- zwei Wochen später gehen beide Brüder nach New York und finden Arbeit in der Pelzindustrie
- 1948 wird Joachim Kalter in die US Armee eingezogen und in Marburg im besetzten Deutschland stationiert
- später kehrt seine eine Einheit in die Vereinigten Staaten zurück, wo er zuletzt in Fort Hood, Texas, dient
- 1950 heiratet er und wird Vater von zwei Kindern (seitdem arbeitet er in der Möbelindustrie)
- insgesamt heiratet er dreimal – zuletzt eine Lehrerin
- 1994, nach vielen Jahren in New York, geht er in den Ruhestand und zieht nach Florida
- gelegentlich hält er dort Vorträge in Schulen, weil es ihm wichtig ist, Kindern den Holocaust verständlich zu machen, in der Hoffnung, dass so etwas nie wieder geschehen würde
Herkunft - Joachim Kalters Familie vor 1923
- Vater, Oscar Kalter, geb. 1891 in Łańcut (dt. Landshut), Galizien (Woiwodschaft Karpatenvorland in Südostpolen)
- seine Familie emigriert 1905 nach Leipzig - er arbeitet in der Textilbranche
- Mutter, Klara, geb. 1900 in Leipzig
- ihre Eltern kommen um 1897 in die Stadt - sie stammen ursprünglich aus Kolomea nahe der rumänischen Grenze (beide Großelternpaare sprachen Jiddisch)
- Joachim Kalters Eltern treffen sich 1920 und heiraten
- 1921 kommt sein ältester Bruder, Manfre, auf die Welt, 1926 sein jüngerer Bruder, Herbert
Verwandschaft
Vater: Oscar Kalter
Mutter: Klara Kalter
Bruder: Manfred Kalter
Bruder: Herbert Kalter