Gerta (Gertraud) Baum, geb. am 3.6.1892, heiratete 1919 in Nabburg den am 22.8.1890 in Xanten geborenen Salomon (Sally) Bruckmann, der zu dieser Zeit als Volksschul- und Religionslehrer tätig ist. Bruckmann war seit 1912 Angestellter des Talmud Thora-Vereins in Leipzig und Lehrer an der Höheren Israelitischen Schule (Carlebach-Schule) und nahm zugleich ein Studium der Naturwissenschaften (Mathematik) an der Universität Leipzig auf, dass er, nach einer Unterbrechung durch den Kriegsdienst, 1919 erfolgreich abschloss.
Ab 1919 lebten die jungen Eheleute gemeinsam in Nabburg, wo Bruckmann Mitinhaber der Firma des Schwiegervaters wird (Textil- und Modewaren), dem Paar werden vier Kinder geboren (Werner, 1920, Siegfried, 1925, Günther, 1927, Waltraut/Waltraud, 1930).
Der älteste Sohn Werner wandert schon 1936 mit der Jugendallijah nach Palästina aus. Sally Bruckmann wird in der Nacht vom 9./10.11.1938 im Zusammenhang mit den Pogromnacht-Ereignissen verhaftet und nach Dachau gebracht, 1939 erfolgt die Entlassung. Im Frühjahr desselben Jahres zieht die Familie nach Leipzig, Bruckmann erhält mit Genehmigung des Leipziger Schulamtes eine Anstellung an der Jüdischen Volksschule, die Familie zieht in eine Wohnung am Nordplatz 7. Dort wohnen auch Gertas Schwester Irma und deren Mann Walter Rosenhein.
Am 31.3.1942 wird die Familie zum Umzug in die Jakobstraße 7, ehemals Jüdisches Kinderheim, nun sogenanntes „Judenhaus“, gezwungen, am 10.05.1942 werden die Bruckmanns mit 281 weiteren Familien nach Bełżyce deportiert. Seit Oktober 1942 gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihnen. Bekannt ist nur, dass Günther Bruckmann in Maidanek Zwangsarbeit leisten musste und dort umkam.
Werner, der älteste Sohn der Bruckmanns, begeht 1979 in Israel Suizid. Er hat nie verwunden, dass er als einziger der Familie den Holocaust überlebte und es ihm nicht gelungen war, seine Familie noch rechtzeitig nach Palästina zu holen.
(Recherchen: Dr. Andrea Lorz, auf der Grundlage von mündlichen Informationen und Familienbriefen, zur Verfügung gestellt von Frau Edith Roemer, geb. Baum, München)