Rolf Isenstein (Franz Gustav Rolf Isenstein) wurde am 28.5.1930 als Sohn des Kaufmanns Paul Isenstein (Paul Heinrich Salomon Isenstein) und seiner Frau Maria Elsa Johanna Isenstein (geb. Schildbach) in Leipzig geboren. Rolf Isensteins Vater stammte aus Hannover, er war eines von vier Geschwistern und Sohn des Teppichgroßhändlers Gustav Isenstein und seiner Frau Franziska. Nach einer Ausbildung in Betriebswirtschaft arbeitete er u.a. bei der Berliner Commerz- und Privatbank und siedelte schließlich nach Leipzig über, wo er Leiter der Depositenkasse der Commerzbank wurde. Die Familie wohnte in der Inselstraße 9, wo heute ein Stolperstein an das Schicksal des Vaters erinnert. Paul Isenstein verlor 1936 seine Anstellung, Grund waren die Nürnberger Gesetze, und sah sich in den folgenden Jahren zunehmend Demütigungen ausgesetzt. Die Familie musste die Wohnung in der Inselstraße aufgeben, sie zog in die Göschenstraße 4. Auch Paul Isenstein wurde im Kontext der Ereignisse um die Reichspogromnacht verhaftet und nach Buchenwald gebracht, wo er bis zum 10.12.1938 inhaftiert war. Nach seiner Freilassung (in diesem Zusammenhang wurde ihm das im Ersten Weltkrieg verliehene Eiserne Kreuz abgenommen), war er gezwungen, als Hilfsarbeiter u.a. Straßen zu kehren und Schnee zu räumen. Später war er als Packer in einem Leipziger Verlag in der Königstraße (heute Goldschmidtstraße) tätig.
Am 2.4.1933 hatten die Eltern, die Mutter war nichtjüdisch und Protestantin, ihren Sohn Rolf in der Nikolaikirche taufen lassen, ein besonders für den Vater schwerer Schritt.
Rolf Isenstein wurde 1940 in die Mittelschule in der Reclamstraße eingeschult. Da ihm als sogenannten ”Mischling ersten Grades” eine Zulassung zum Studium versagt geblieben wäre, hatten die Eltern eine gymnasiale Ausbildung für ihren Sohn verworfen.
Die Familie hatte Auswanderungspläne, für Paul Isenstein aber zerschlug sich die Möglichkeit der Emigration nach den USA, da Schweden 1939 keine Transitvisa mehr ausstellte.
Anfang März 1943 erging an die Familie der Räumungsbefehl für ihre Wohnung, die Umsiedlung in ein sogenanntes ”Judenhaus” stand bevor. Der Überbringer dieses Befehls meinte zugleich, Paul Isenstein müsse doch wissen, was er zu tun hätte, wenn ihm seine Familie lieb sei. Infolge dieser Zuspitzung der Ereignisse und der drohenden Deportation der ganzen Familie in ein Konzentrationslager nahm sich Rolf Isensteins Vater am 24.3.1943 das Leben - auf dem Stolperstein in der Inselstraße 9 wird dieser tragische Schritt, mit dem er die Seinen schützen wollte, als ”Flucht in den Tod” beschrieben.
Mutter und Sohn durften nach dem Tod des Vaters in der Wohnung bleiben. Nach deren vollständiger Zerstörung bei dem schwersten Fliegerangriff auf Leipzig am 4.12.1943 gingen beide nach Eibenstock/Erzgebirge, wo die Mutter Verwandte hatte.