6. August 1935. Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch im Brühl 65 und warte darauf, dass Herr Finkelstein kommt. Gegen 11 Uhr höre ich meine Sekretärin mit einem Besucher sprechen, der Herrn Cerf sehen möchte. Ich stehe auf und da ist dieser eher kleine Mann, der mir höflich seine Dienstmarke zeigt: „Gestapo!“
„Sie werden mit mir zum Hauptquartier gehen, versuchen Sie nicht zu fliehen, wir werden von unseren Waffen Gebrauch machen.“ Während er das sagte, kamen zwei Zwei-Meter-Männer herein und bedeuteten mir, ihnen zu folgen.
„Oh ja“, sagte der kleine Typ, „versprechen Sie einem Juden einen Geschäftsabschluss und Sie kriegen ihn.“ Er war es, der vorher unter dem Namen Finkelstein angerufen hatte.
Im Hauptquartier machten sie sich einige Notizen und händigten mir dann einen Haftbefehl aus, der besagte: „Dem Juden Hans Cerf soll beigebracht werden, wie er im nationalsozialistischen Staat zu leben hat, und zu diesem Zweck wird er ins KZ Sachsenburg gebracht.“
(Später im Konzentrationslager):
Dann – mitten am Arbeitstag – kam ein SS-Mann zum Steinbruch und schrie: „Häftling Cerf!“ Ich stand stramm und mir wurde gewinkt, herunterzukommen. „Folgen Sie mir!“ Er zeigte dem führenden Wachmann einige Dokumente und brachte mich zurück ins Lager, dieses Mal zur Turnhalle, wo ein anderer Typ mit einer Aktentasche in Begleitung einiger höherer Lageroffiziere wartete. Mir wurde ein Stift gegeben und eine Linie zum Unterschreiben gezeigt, auf einem Dokument, das ich vor dem Unterschreiben nicht lesen durfte. Ich konnte trotzdem einen Blick darauf werfen und sah, dass meine Angabe erklärte, dass das Kinderbuch über das Automobil unrechtmäßig vom wirklichen Autor, nämlich Herrn Hillemann, gestohlen worden wäre und dass ich hiermit meine Tat gestände und dass ich keinerlei Rechte bezüglich Hillemanns Eigentum hätte. Natürlich unterschrieb ich. Jetzt wusste ich wenigstens, WARUM ich hier war. Nach meiner Entlassung aus dem KZ fand ich mein Buch in allen Schaufenstern der Buchläden wieder: „Das Auto mit allem drum und dran, ein lustig Bilderbuch für jedermann“, Verse Hillemann, Zeichnungen Wegener.“