Ruth Cerf erinnert die Zeit um 1925, die Familie des Oberbürgermeisters Karl Rothe, den Zoo, die Theater und das Gewandhaus in Leipzig.

By admin, 2 November, 2018
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Wir hatten für wenig Geld gutes Theater – das Schauspielhaus und das 'Alte Theater', ein wunderschönes, wirklich altes Haus, an dem viele unserer Freunde spielten beziehungsweise an der Schauspielschule waren – auch einer meiner besten Freunde, Rolf Ehrler, bei dem mein Bruder Hans um die Unschuld seiner Schwester bangte, umsonst, denn er war homosexuell, aber er war so schön! – Eine gute Zeit hatte ich im Haus von unserem Oberbürgermeister Karl Rothe, die wohnten uns gegenüber und hatten einen Riesengarten voll Obst und Gemüse. Das alles machte Frau Rothe mit ihren Töchtern und ich durfte helfen. Ich konnte mir auch einen großen Schlüssel holen, mit dem man zur hinteren Pforte in den Zoo kam, der unserem Haus gegenüber war. Dort gab es einen riesigen Platz für die Spaziergänge der Elefanten und Kamele. Da durften wir auch reiten.

Hans Rothe, der älteste Sohn des Bürgermeisters, kam aus England zurück, wo er angefangen hatte, Shakespeare zu übersetzen. Das waren damals die sogenannten modernen Übersetzungen, und sie wurden eine nach der anderen in Leipzig gespielt. Rothe nahm mich mit und ich kam mir sehr gebildet vor. Wenn ihn Kulturgrößen in der Pause begrüßten, bildete ich mir Wunder was ein.

Die Hauptproben im Gewandhaus (zu Mendelssohns Zeit gebaut) waren immer am Donnerstag Vormittag und ich konnte mit einer Tante hingehen. Der einzige Haken war, dass ich Schule schwänzen musste – ab und zu ging ich dann aber wieder am Donnerstag, damit es nicht gar zu sehr auffiel.

Body (English)

We had good theater for little money – the Schauspielhaus and the Altes Theater ('Old Theatre'), a beautiful, really old house, where many of our friends acted or were at drama school – also one of my best friends, Rolf Ehrler, whom my brother Hans considered dangerous for his sister's virginity, unfoundedly, for he was homosexual, but he was so beautiful! – I had a good time in the house of our mayor Karl Rothe, who lived across the street and had a huge garden full of fruit and vegetables. Frau Rothe took care of all of this with her daughters and I was allowed to help. I could also go and get me a big key to get through the back gate into the zoo, which was opposite our house. There was a huge square for the walks of the elephants and camels. We were also allowed to ride there.

Hans Rothe, the eldest son of the mayor, returned from England, where he had begun to translate Shakespeare. These were then the so-called modern translations, and they were staged one by one in Leipzig. Rothe took me with him, and I felt very educated. When he was greeted by cultural figures during the interval, I prided myself on that.

The dress rehearsals in the Gewandhaus (built during Mendelssohn's time) were always on Thursday morning and I could go there with an aunt of mine. The only catch was that I had to skip school – but now and then I went again on Thursday, so it did not attract too much attention.

Sprecher
Datum und Ort
Mai 2017, Leipzig
Rechtestatus