Ruth Cerf erinnert die Zeit um 1925 und die Gaudigschule.

By admin, 2 November, 2018
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Ich wurde älter und interessierter, was um mich herum vor sich ging. Ich kam in die Gaudigschule, die erste Mädchenmittelschule, geleitet von dem demokratischen Rektor Köhler, den später die Nazis umgebracht haben. Die gesetzlichen Bestimmungen konnte er trotz allem nicht ändern: Wir sogenannten armen Schülerinnen konnten das Schulgeld nicht zahlen und erhielten ein Stipendium. Wir mussten aber eine ganze Note im Durchschnitt über dem verlangten Zeugnis-Mittel haben. Da wurde mir zum ersten Mal der Unterschied zwischen Arm und Reich bewusst. Und als Erwin Ackerknecht, Medizinstudent aus Berlin, an unsere Schule kam, um eine Schülergewerkschaft zu gründen, war ich Feuer und Flamme. (…) Die Zeiten damals waren schwierig und nicht ungefährlich, aber wir hatten spannende Zeiten: Einen großen Kreis politisch gleich motivierter Linker – vor allem Studenten aus aller Welt – unsere Mentoren Dackel und Giorgio, frischgebackene Medizinstudenten, Gewerkschafter und Arbeiter, Juden und Katholiken, Freidenker – vor allem sogenannte „Minderbemittelte“, aber auch einige mit reichen Vätern, die uns unter die Arme griffen. Treffpunkte: Im Sommer das Poseidonbad und manchmal sogar Auerbachs Keller, bis die SA-Jugend ihn in Beschlag nahm.

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I grew older and more interested in what was going on around me. I went to the Gaudigschule, the first girls' middle school, run by the democratic principal Mr Köhler, who was later killed by the Nazis. He could not change the legal provisions, however: we poor pupils could not pay the school fee and received a scholarship. However, we had to have a whole grade on average above the required average mark. That was when I realised the difference between the rich and the poor for the first time. And when Erwin Ackerknecht, medical student from Berlin, came to our school to establish a pupils’ union, I was thrilled. (...) Those days were difficult and dangerous, but we had exciting times: a large circle of politically equally motivated leftists – especially students from all over the world – our mentors Dackel and Giorgio, brand new medical students, trade unionists and workers, Jews and Catholics, free thinkers – mainly so-called “less well-off”, but also some with rich fathers who supported us. Meeting points: in summer, the Poseidonbad swimming pool and sometimes even Auerbach's Cellar, until the SA youth hogged it.

Sprecher
Datum und Ort
Oktober 2017, Leipzig
Rechtestatus