Am nächsten Morgen fuhr ich mit meinem Fahrrad zur Schule. Dort sagte jemand: „Die Synagogen brennen.“ Ich fuhr zur Gottschedstraße und stand vor dem brennenden Gotteshaus. Ich fuhr dann durch die Stadt und sah das Kaufhaus Bamberger & Hertz am Augustusplatz brennen. Ich sah die eingeschlagenen Schaufenster der jüdischen Geschäfte in der Innenstadt, die Scherben auf den Straßen und die herausgezerrten Waren. Vor dem Eingang der Carlebachschule war das Gitter heruntergelassen. Doch die SA-Leute hatten die seitliche Toreinfahrt mit einem Beil aufgehackt und in der Turnhalle Brand gelegt. Außerdem wurden einige Klassenzimmer verwüstet. Einige Häuser weiter, in der Färberstraße 16, wohnte mein Freund Heinz Fetermann. Ich klingelte an der Wohnungstür, aber niemand öffnete. Da huschte von oben die Schwester von Heinz die Treppe herunter und zog mich rauf zum Dachboden. Dort saßen etwa 20 Personen in größter Angst.
The next morning I rode my bike to school. There someone said: "The synagogues are burning." I went to Gottschedstraße and stood in front of the burning synagogue. I rode through the city and saw the Bamberger & Hertz department store on Augustusplatz burning. I saw the smashed windows of the Jewish shops, the broken pieces on the streets and the goods dragged out. In front of the entrance of the Carlebach School the lattice was lowered. But the SA men had broken the side gate entrance up with a hatchet and set fire in the gymnasium. In addition, some classrooms were devastated. A few houses further on, on Färberstraße 16, my friend Heinz Fetermann lived. I rang the doorbell, but no one opened. Then Heinz's sister scurried down the stairs and pulled me up to the attic. There, about 20 people sat in fear.