Am frühen Morgen des 28. Oktobers 1938 begann die Polizei in Leipzig, wie auch in vielen anderen Städten des damaligen Deutschen Reiches, alle jüdischen Menschen mit polnischen Pässen oder staatenlose ehemalige Polen zu verhaften. Selbst die Familien, deren Kinder und Enkel schon in Leipzig geboren waren, wurden unter den Augen der Bevölkerung zum Hauptbahnhof gebracht, in Sonderzüge gesetzt und an die deutsch-polnische Grenze gefahren. Dort blieben sie tagelang im Niemandsland, weil Polen viele von ihnen nicht einreisen ließ. Einige Hundert haben sich der Abschiebung entziehen können, in dem sie sich in das polnische Konsulat in der Wächterstraße retteten. Das befand sich in einer großen Villa mit Garten. Die Gestapo hatte dort keinen Zutritt, denn das Generalkonsulat war exterritorial. Ich kann mich sehr genau daran erinnern, denn ich hab da sehr viel mitgeholfen, Lebensmittel und Decken hinzubringen. Frau Kroch leitete diese Hilfsaktion, die sich drei Tage und Nächte hinzog. Danach verkündete der Generalkonsul: „Es ist jetzt erledigt. Ihr dürft wieder nach Hause.“ Ich hörte einen sagen: „Jetzt, Gott sei Dank, ist alles vorbei“ und ein anderer antwortete ihm: „Nee, vorbei ist das nicht, jetzt fängt’s erst an.“, und das war leider richtig. Nur einige Tage später, am 9./10. November, brannten die Synagogen.
In the early morning of 28 October 1938, the police in Leipzig, as in many other cities of the then German Reich, began to arrest all Jewish people with Polish passports or stateless former Poles. Even the families whose children and grandchildren had been born in Leipzig were brought to the main station under the eyes of the population, put on special trains and taken to the German-Polish border. There they stayed for days in no man's land because many of them were not allowed to enter Poland. Some hundred were able to evade deportation by getting into the Polish consulate on Wächterstraße. It was in a large villa with a garden. The Gestapo did not have access there because the consulate general was exterritorial. I remember it very well, because I helped a lot to bring food and blankets. Mrs. Kroch led this relief action, which lasted three days and nights. Then the consul general announced, "It is done now. You can go back home." I heard one of them say, "Now, thank God, it's all over", and another replied to him, "No, it's not over, it's just beginning", and that was true unfortunately. Only a few days later, on 9/10 November, the synagogues burned.