Simson Jakob Kreutner über die Ez Chaim-Synagoge und einen Oberkantor mit besonderer Strahlkraft

By admin, 2 November, 2018
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Die zweite Gemeindesynagoge war die Ez Chaim Synagoge, deren Bau dank der Spende des Pelzhändlers Chaim Eitingon ermöglicht wurde. Sie wurde auch nach der Straße, in welcher sie sich befand, Otto-Schill-Synagoge genannt.

Die Synagoge unterschied sich von ihrer liberalen Vorgängerin im Charakter, Ritual und äußerem Aussehen. Sie war fortschrittlich orthodox; im Ritual traditionell und im äußeren Aussehen utilitär. Die dort Betenden stammten aus anderen Gemeinden Deutschlands, aber auch die Ostjuden kamen hierher, um in einem traditionellen Gotteshaus ihre Gebete zu verrichten.

In der Ez Chaim Synagoge wurde täglich gebetet. An Sabbat- und Festtagen war sie von ständigen und nichtständigen Betern überfüllt. Ein Teil der Betenden trug Zylinder und enge, rechteckige Gebetsmäntel; ein anderer trug gewöhnliche Hüte und breite, viereckige, meist wollene, Gebetsmäntel, die den gesamten Rücken bedeckten. Das Ritual in der Ez Chaim unterlag genauen und rigoros durchgeführten Regeln. Diese enthielten Anweisungen über die Kleidung für die zur Thora Aufgerufenen sowie über die Besteigung und das Verlassen des Almemors, wo die Thora verlesen wurde. Eines der Kennzeichen der Synagoge war die Sorgfalt, mit der sie ihre Kantoren wählte. Es gab einen Oberkantor und mehrere Hilfskantoren, die zuweilen den Oberkantor zu vertreten hatten. Auf einer Tafel am Synagogeneingang wurde jeweils bekanntgemacht, welcher der Kantoren vorbetet oder vorbeten wird. Die Tafel wurde mit Interesse studiert. [...]

Als Oberkantor der Ez Chaim Synagoge fungierte Nahum Wilkomirsky, der eine gewaltige und äußerst angenehme Stimme besaß. Er gehörte zu den großen Kantoren seiner Zeit und war auch außerhalb seines Wohnortes bekannt und berühmt. Wie gesagt, pflegten auch die frommen Juden Leipzigs, die nicht zu den ständigen Betern der Ez Chaim gehörten, zu seinem Vorbeten zu strömen. folgende Anekdote ging um: In manchen Bethäusern der Stadt sagen die einen: „Kantor Wilkomirsky betet besser als unser Vorbeter.“ Worauf die anderen erwidern: „Nicht besser – schöner.“

Body (English)

The second community synagogue was the Ez Chaim Synagogue, the construction of which was made possible thanks to the donation of the fur trader Chaim Eitingon. It was also called Otto Schill Synagogue after the street where it was located.

The synagogue differed from its liberal predecessor in character, ritual and appearance. It was progressive orthodox; traditional in ritual and utilitarian in appearance. Those praying there came from other German congregations, but also the East European Jews came here to pray in a traditional synagogue.

There were prayers every day at the Ez Chaim Synagogue. On Sabbath and holidays it was overcrowded with regular and irregular praying men. Some of them wore cylinders and narrow rectangular prayer shawls; others wore ordinary hats and wide, square, mostly woolen prayer shawls that covered the entire back. The ritual in the Ez Chaim was subject to precise and rigorous rules. These included instructions on clothing for those called up to the Torah as well as instructions on how to climb and leave the almemor, where the Torah was read out. One of the characteristics of the synagogue was the care with which its cantors were chosen. There was a chief cantor and several auxiliary cantors, who sometimes had to represent the chief cantor. On a board at the entrance to the synagogue, it was announced which of the cantors was leading the prayer or going to lead. The blackboard was studied with interest. [...]

Nahum Wilkomirsky, who possessed a powerful and extremely pleasant voice, was the chief cantor of the Ez Chaim Synagogue. He was one of the great cantors of his time and was also known and famous outside his home city. As I said, the pious Jews of Leipzig, who were not among those regularly praying at Ez Chaim, also used to flock to his prayers. The following anecdote circulated: In some of the city's synagogues some say, "Cantor Wilkomirsky prays better than our prayer leader." To which the others respond, "Not better – more beautifully."

Sprecher
Datum und Ort
Leipzig, November 2017